28.07.2017 13:01 Uhr
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Von der Gründerzeit bis zum 1. Weltkrieg

 

In den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts geriet einiges in Bewegung. Nach der Überwindung der feudalen Strukturen setzte das technische Zeitalter ein. Forscher und Wissenschaftler machten neue Entdeckungen und brachten eine Vielzahl von Erfindungen hervor.

Allerlei Maschinen, Eisenbahnen, Elektromotoren, Automobile und Straßenbahnen sowie vieles mehr.

Der Lebensrhythmus der Menschen änderte sich im Laufe der Zeit

so sehr, dass die Anpassung an das Neue nicht ohne Probleme zu

meistern war.

 

Die Folge war, dass sich die Lebenserwartung verkürzte.

Man dachte zunehmend darüber nach, wie man die rasante Entwicklung kompensieren könne und man fand bald heraus:

Die Kräftigen sind tüchtiger und können vieles schadloser überstehen.

 

Turnvater Jahn zeigte den Weg, und viele pflichteten ihm bei: "Üben und trainieren macht die Menschen widerstands- und leistungsfähiger".

Diese Erkenntnis machte sich zuerst in den Städten und schließlich in den kleineren Gemeinden bemerkbar. So muss es wohl auch bei uns

hier einmal angefangen haben.

Die Redewendung: "Sinn des Sportes ist nicht der Sieg, sondern die Teilnahme" , sowie "Ziel ist nicht der Kampf, sondern Ritterlichkeit", steht mit dem Gesagten in keinem Wiederspruch.

 

Von diesen Gedanken beseelt, haben wohl vor 100 Jahren unsere Urgroßväter den Turnverein Niederwörresbach gegründet.

 

Überliefert ist, dass es folgende Gründer waren :

Rudolf Bank, Georg Bapp,

Rudolf Dreher, Rudolf Dreyer,

Ludwig Helm, Ludwig Juchem und Pfarrer Fickeisen.

Diese Männer haben getreu nach der Idee des Turnvaters Jahn gehandelt. Sie wollten der Jugend von Niederwörresbach, Gelegenheit zur Gesunder-haltung und Ertüchtigung geben.

 

Am Anfang waren es noch wenige, doch bis zum Jahresende zählte man

schon 94 Mitglieder.

 

 

1896 gab es dann sogar die erste Vereinsfahne,

die von jungen Frauen aus dem Dorf angefertigt wurde. Sie ist bis heute noch vollständig und gut erhalten.



Weitere Einzelheiten über die ersten Jahre des Turnvereins sind

leider noch nicht bekannt und müssen noch recherchiert werden.

Fakt ist jedoch, dass der Ausbruch des 1. Weltkrieges diesen segenreichen Tätigkeiten vorübergehend ein Ende setzte.

Die Turner mussten in den Krieg, und das Vereinsgeschehen fand

nicht mehr statt.

Diese Kriegszeit war an den Mitgliedern nicht spurlos vorübergegangen. Sie hatte ihren Tribut gefordert. Sechs Turnbrüder ( Rudolf Baumhardt, Josef Czimerak, Friedrich Klee, Adolf Klein, Emil Müller und Reinhold Lang) mussten ihr junges Leben an den Fronten lassen.


 

 

Aus der Zeit zwischen den Weltkriegen

Die aus den Kriegen heimgekehrten Vereinsmitglieder waren bestrebt, so bald wie möglich den Verein wieder aufleben zu lassen. Den zaghaften Versuchen des Jahres 1919 aber standen Reglementierungen der Besatzungsmacht im Wege. Erst 1920 konnte die Vereinstätigkeit wieder richtig aufgenommen werden, und schon im gleichen Jahr kam (neben dem vorher ausgeübten Turnsport auch die Leichtathletik hinzu.

Es setzte eine geradezu stürmische Entwicklung ein. Die Zahl der Mitglieder stieg auf 170 an. Die Turn- und Leichathletikübungen wurden auf einem Turnplatz neben dem örtlichen Dreschschuppen ausgeführt. Dieses Gelände kaufte der Verein noch im gleichen Jahr von der Kirchengemeinde.

Beide Sportarten, der Turnsport sowie die Leichtathletik, wurden eifrig betrieben und von der Dorfbevölkerung gebührend gefördert. Dies brachte in den folgenden Jahren schöne Erfolgserlebnisse. Die Sportler aus Niederwörresbach kehrten oft mit Trophäen und Siegerurkunden nach Hause. In unserem Dorf entstand der Brauch, die preisgekrönten Turner am Ortsrand zu empfangen und von der Kapelle des Musikvereins bis zum Vereinslokal zu geleiten.

Dies zeugt von einem harmonischen Nebeneinander der verschiedenen Ortsvereine.

Durch freiwillige Arbeitsleistung wurde der Turnverein am Dreschschuppen für den Turnbetrieb hergerichtet und von Jahr zu Jahr verbessert.

Für 2000 Mark konnte dann 1930 eine 10 mal 30m große Sporthalle von der Stadt Idar-Oberstein gekauft werden, die auf dem Vereinsgelände neben dem Turnplatz errichtet wurde. Nun konnten die Turner und Leichtathleten auch bei schlechtem Wetter trainieren und hatten zum geselligen Beisammensein ihr eigenes Vereinslokal.

(Der 1929 gegründete eigenständige Athleten-Verein wurde 1935 dem Turnverein angegliedert.)

1931 kam eine weitere Sportart hinzu, - der Handballsport. Urkunden zeugen bis zum heutigen Tag von dem Erfolg der neu eingeführten Sporttätigkeit. Damals schon konnten Landesmeister zu unseren Vereinsmitgliedern gezählt werden.

Leider wurde die Sporthalle, über deren Besitz man so froh war, 1939 durch einen Gewittersturm so stark beschädigt, dass sie unbrauchbar wurde und abgerissen werden musste. Eine Sturmböe deckte das giebelseits offene Dach des Dreschschuppen ab und fegte es auf die Dachkonstruktion der Halle, die dem Druck nicht standhalten konnte.

Mit dem Beginn des 2. Weltkrieges kam für den Turnverein - abermals - eine schwere Zeit, da während Kriegsverlauf fast alle Mitglieder zum Wehrdienst eingezogen wurden. Der Verein geriet so immer mehr - auch finanziell in Bedrängnis. Der Turn-, übungs- und Spielbetrieb ließ nach, und der Verein konnte seinen Aufgaben nicht mehr nachkommen. Langsam aber stetig erlosch das Vereinsleben. Zum Schluss war niemand mehr da, der sich um die Belange des Turnvereins kümmern konnte, und so übernahm - satzungsgemäß - die Gemeinde den Turnplatz, die Reste der beschädigten Halle und die vielen Sportgeräte.

Die Zeit nach 1945

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges und der Rückkehr der kriegsgefangenen deutschen Soldaten, fanden sich wieder einige junge Männer ein, um aus dem Nichts einen Neuanfang zu wagen. Die Bezeichnung „Turnverein" durfte nicht mehr geführt werden, da dieser Name von den Seiten der alliierten Besatzungen verboten war. Ebenso verboten waren jegliche turnerische und athletische Tätigkeiten. Lediglich Rasensportarten, wie Handball und Fußball, wurden erlaubt. So erhielt der Verein die heutige Bezeichnung "Sportverein Niederwörresbach".

Mit nachahmenswertem Eifer wurde in der Freizeit der Platz auf der

Warth für den Spielbetrieb instandgesetzt, um den Handballsport wieder aufnehmen zu können. Zwei Erwachsenen- und eine Jugendmannschaft wurden aufgestellt, welche in der Folgezeit beachtliche Leistungen vollbrachten. Die Jugendmannschaft war mehrmalige Kreis- und Bezirksmeister und kämpfte 1948 sogar um die Rheinlandmeisterschaft

in Oberwesel, wo sie allerdings gegen die Jugend von Grün-weiß Obermendig ehrenvoll unterlag.

Den Höhepunkt erreichte die 1. Handballmannschaft im Jahre 1951, als sie die Meisterschaft in der Landesliga
"Nahe" errang. Infolge zu weiter Fahrten in der Gauklasse "Nord" nach Trier, Wittlich, Traben-Trarbach und Kreuznach und den damit verbundenen hohen Unkosten musste der Verein seine 1. Mannschaft aus der Klasse zurückziehen.

Mit dieser Zurücknahme ging allmählich das Interesse an dieser Sportart verloren und mit Versammlungsbeschluss vom Juni 1952 entschloss sich die Mehrzahl der aktiven Mitglieder für den Fußballsport, der damit erstmals in Niederwörresbach eingeführt wurde.